Zum Kinder- und Jugendbuchautor

Wenn er an die Jahre zurückdenkt, als er noch nicht richtig lesen und schreiben konnte, erinnert sich Tim-Thilo Fellmer an Ausgrenzung. Er fühlte sich ständig überfordert und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Er hatte, so sagt er heute ganz offen, wenig Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Tim-Thilo-Fellmer

BMBF

Seine Mutter, erzählt Tim-Thilo Fellmer, hat ihm viel Liebe mit auf den Weg gegeben. Doch obwohl sie selbst las und schrieb, wusste sie nicht, wie sie ihrem Sohn helfen konnte. Tim-Thilo galt als Legastheniker. Als Jugendlicher hat er sich seiner Freundin anvertraut. Sie hat ihm geholfen und ihm während seiner Ausbildung die Berichtshefte geschrieben. So ist er Kfz-Mechaniker geworden. Sein Traumjob war das damals nicht. Was blieb, war das Gefühl der Überforderung. Für Tim-Thilo Fellmer eine schlimme Situation. Mit uns hat er darüber gesprochen.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Meine Erfolge habe ich mir im Sport gesucht. Aber lange geholfen hat das nicht. Vor allem, als ich älter wurde. Dieses ewige Nichtkönnen, das hat an mir genagt. Deshalb bin ich irgendwann zur Volkshochschule gegangen.
Wie lange hat es gedauert, bis Sie lesen und schreiben konnten?

Ich habe mehrere Kurse besucht. Manche auch abgebrochen, weil ich für mich keinen Fortschritt sah und sie teilweise nicht mehr finanzieren konnte. Insgesamt habe ich mehr als zehn Jahre gebraucht. Meine Freundin und meine Lehrerinnen und Lehrer haben immer zu mir gehalten. Das hat geholfen.

Wie haben Sie Lust am Lesen entwickelt?

Zuerst habe ich die Bücher in die Hand genommen, die ich aus der Schule kannte – aber nie gelesen hatte. Dann habe ich die Bestsellerlisten rauf und runter gelesen und eine ganz neue Welt, die Welt der Bücher, entdeckt.

Und dann haben Sie sich gleich entschieden Autor zu werden?

In der Volkshochschule haben die Lehrerinnen und Lehrer meine Formulierungen gelobt. Und meine Erzählweise. An meinem ersten Buch habe ich lange geschrieben. Knapp viereinhalb Jahre. Es ist ein Kinderbuch von nur hundert Seiten, mit vielen Bildern – ein Buch, das Kinder für das Lesen begeistern soll. So wie ich als Erwachsener begeistert wurde.

Wenn Sie zurückblicken: Was hat Ihnen am meisten geholfen?

Andere zu treffen, denen es ähnlich geht wie mir. Zum Beispiel in der Volkshochschule. Irgendwann in einen Kurs zu kommen und zu sehen, ich bin gar nicht allein mit meinen Problemen, das war eine ganz wichtige Erfahrung.