Karl L.

Er versteht jetzt, was in Verträgen steht.

Als Kind hat sich Karl L. sehr darauf gefreut, in die Schule zu kommen. Doch schon im ersten Jahr fingen die Schwierigkeiten an. Die Mutter und der Lehrer fanden, dass Karl zu langsam lernte. Sie wurden ungeduldig und Karl bekam Angst, Fehler zu machen. Auf der Sonderschule gab es eine Lehrerin, die sich viel Mühe gab. Aber die Angst war zu groß. Karl L. verließ die Schule, ohne richtig lesen und schreiben gelernt zu haben.

Mal arbeitete er als Hilfsarbeiter, mal war er arbeitslos. Karl L. wollte auf keinen Fall, dass jemand merkte, dass er nicht richtig lesen und schreiben kann. Er unterschrieb Verträge, die er nicht verstand und machte Schulden. „Meine Post habe ich so lange nicht geöffnet, bis der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand“, sagt er.

Karl L. hilft heute anderen

Die Wende kam mit der Geburt seines Sohns Stefan. Er sollte es leichter haben. Dafür musste Karl L. aber erst einmal selber besser lesen und schreiben lernen. „Ich hätte sonst bei Schulproblemen immer sagen müssen, dass er zur Mutter gehen soll.“ Karl L. meldete sich bei der Volkshochschule an und lernte nachträglich lesen und schreiben. Mit 38 Jahren hat Karl L. hat seinen Hauptschulabschluss nachgeholt und anschließend eine Ausbildung zum Logistiker gemacht. In einer Traktorenfirma fand er einen guten Job.

Seinem Chef hat Karl L. von seinen Schwierigkeiten erzählt. Der fand es gut, dass Karl drangeblieben ist. Manchmal schickt der Chef Kollegen zu ihm, die auch nicht gut lesen und schreiben können. Karl L. erzählt ihnen, dass man das auch im Erwachsenenalter noch schaffen kann. Er ist schließlich das beste Beispiel.