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Volltext zur Dokumentation: Torsten aus Tremsbüttel – Kurs & Arbeit

Torsten lebt in Tremsbüttel in Schleswig-Holstein. Hier ging er auch zur Schule und machte die mittlere Reife. Trotzdem hat er große Lese- und Schreibschwierigkeiten. Das hat er in der Schule nicht gelernt. Alles ging ihm zu schnell. Erst nach der Schule lernte Thorsten lesen und schreiben. Denn er wollte etwas aus seinem Leben machen. „Früher hatte ich immer halt das Problem bei der Schule, da hatte ich viele Probleme, da konnte ich das gar nicht verstecken, da war es öffentlich zu sehen. Und halt nach der Schule habe ich dann festgestellt, zweimal eine Ausbildung als Anlagenmechaniker für Sanitärtechnik gemacht und da bin ich dann jeweils wegen meiner Rechtschreibung rausgeflogen.“

Das war der Auslöser. Torsten gab nicht auf. Er ging zur Volkshochschule und fing an zu lernen. Bis heute. Denn der 36-Jährige weiß, wie wichtig Lesen und Schreiben sind, nicht nur für den Job. „Damit man im Leben vorankommt, und dass man auch alles versteht, was gefordert wird. Weil es wird immer alles über Schrift sein. Man kriegt ja immer Briefe von Behörden, Ämtern usw und da sollte man doch schon wissen, was da drinsteht und was die genau von dir wollen.“

Regelmäßig testet Susanne Kiendl vom Grundbildungszentrum der Volkshochschule Hamburg Torstens Stand mit dem sogenannten Einstufungstest. Er hat sich wieder verbessert. Ganz nach Torstens eigenem Motto: man lernt nie aus im Leben. „Super, da wollen wir doch mal gucken. Jetzt haben wir beide durch. Das sieht sehr gut aus, hier der Preis ist richtig, Arzt hast du jetzt direkt richtig geschrieben, letztes Mal hast du es noch so ein bisschen im Nachhinein korrigiert. Viel ist richtig, Platz ist gut. Fährt ist richtig.“ „Ja.“ „So ein bisschen durchwachsen, aber man kann schon sehen, dass es besser wird.“ „Ja, da bin ich halt nur jetzt wieder auf diese kleinen feinen Fehler drauf reingefallen. Wo ich dann gedacht habe, mittags, ja, das ist eine Zeitangabe, he?!?! Der Mittag wird großgeschrieben, aber mittags, dieses S, da habe ich wieder nicht drauf geachtet.“

„Die Entwicklung ist super, er profitiert sehr davon, dass er so diszipliniert so viele Jahre schon lernt. Und man sieht es ja jetzt tatsächlich hier auch an den Überprüfungen nochmal, dass da ganz eindeutig eine Verbesserung zu sehen ist. Von daher ist es für ihn natürlich wirklich super, und er ist eigentlich auf dem Weg zur nächsten Niveaustufe. Aber er ist ja auch ganz glücklich bei Brigitte im Kurs. Das muss man dann nochmal sehen. Aber theoretisch wäre ein Aufstieg in die nächste Stufe auch möglich.“ „Es geht stetig voran und ich bin zufrieden, was ich bis jetzt erreicht habe, dass ich da jetzt schneller und sicherer werde in solchen Tests.“

Im Kurs trifft Torsten andere Betroffene und das ist neben dem Lernen selbst, sehr wichtig für alle hier. Heute wagt er sich auch an schwierige Texte mit Fachwörtern, früher undenkbar. „Wir haben vom Amt Bargteheide Land ein Scheiben gekriegt, das müsstest du dir mal durchlesen und müsstest mir sagen, was wir machen müssen.“

Seine Schwester hilft ihm, aber zugleich soll er es auch selbst erlernen. Lesen kann Torsten ganz gut, aber manchmal versteht er den Inhalt nicht richtig, weil er sich so sehr auf das Lesen selbst konzentrieren muss. „Mein Ziel ist, selber diese Briefe zu beantworten und zu bearbeiten und zurückzuschicken. Wird das irgendwann klappen? Ja, das wird irgendwann klappen. In den nächsten Jahren.“ „Der muss es ja irgendwann selber können. Vielleicht sind wir irgendwann mal nicht mehr da und dann muss er selber mit den Briefen zurechtkommen. Deswegen versuche ich auch immer, ihm nochmal beizubringen. Lies es nochmal und überlege, was er gemeint hat.“

Torsten arbeitet seit vier Jahren als festangestellter Zerspanungsmechaniker bei Transnord. Sein Chef, Remo Lange, hat Thorstens Qualitäten erkannt. Er sei zuverlässig, hilfsbereit und fleißig. „Sie haben ja jetzt Herrn Grüwe vertreten in der Verpackung, ist für sie ja auch alles noch relativ neu. Aber ich finde, sie haben das ganz toll gemacht und mit dem neu erworbenen Staplerführerschein hat das ja auch alles gut funktioniert, konnten selber fahren, sind gut gefahren, das war schon alles toll. Fand ich sehr gut.“

Und Herr Lange hat Respekt vor Torstens Umgang mit seiner Lese-Schreibschwäche. „Respekt insofern, dass er die Ausdauer hat, dass er da immer weitermacht. Dass er da wirklich dranhängt und auch andere mit dem Handicap ermutigen möchte, dass man da nicht aufgibt, sondern immer dranbleibt. Das finde ich echt gut.“ „Ich habe Herrn Lange das direkt dann auch gleich gesagt, dass ich meine Probleme damit habe, dass er halt weiß, dass, falls ich zu einer Fortbildung gehe und da zu einer Prüfung komme, dass ich da unter Stress extrem stehe.“ „Ich glaube an ihn, ja, auf jeden Fall. Und ich hoffe, dass er mir noch lange erhalten bleibt.“

Torsten ist einer von 6,2 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die nicht gut lesen und schreiben können. Seit er lesen und schreiben lernt, hat er viel Anerkennung erfahren. Interesse? Dann informiere dich über Lern- und Beratungsangebote auf mein-schlüssel-zur welt.de.

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