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Volltext zur Dokumentation: Hind aus Frankfurt

Hind weiß genau, was sie will: Lesen und schreiben lernen, um dann einen Schulabschluss zu machen und einen Beruf zu erlernen. Dafür lernt sie täglich und hat Freude daran. „Ja, das ist einfach für mich, weil so will ich ja weiterkommen und dass ich die Sachen selbstständig machen kann. Das ist meine größte Motivation, dass ich später keine brauchen kann.“ Hind lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Frankfurt. Aufgewachsen ist sie in Marokko bei ihrer Großmutter. Sie musste dort den Haushalt machen. Eine Schule durfte sie nicht besuchen. Schule und Bildung für Mädchen fand Hinds Oma überflüssig. „Das hat mich auch sehr, sehr, sehr traurig gemacht. Und ich bin immer noch wütend, dass ich die Schule nicht als kleines Kind besuchen durfte. Ich durfte halt mehr Haushalt machen und kochen mit acht Jahren, aber die Schule leider nicht.“

Bisher hat Hind als Hauswirtschafterin bei Familie Quandt gearbeitet. Doch auch hier kam sie, ohne lesen und schreiben zu können, schnell an ihre Grenzen. Und zu Beginn gab es viele Probleme. Für Hind sowie für ihre Arbeitgeber. „Als ich angefangen habe hier zu arbeiten, zum Beispiel, ich konnte nicht die Waschmaschine anmachen, weil es war schon eine hohe Technologie. Und dann musste ich ja lesen. Da war das am Anfang für mich halt schwierig. Und auch mit Licht, das ist wirklich, ich habe dafür lange gebraucht. Und dafür hat mir der liebe Herr Quant erlaubt, meine Schwester einfach zu mitnehmen, wenn ich da die Schwierigkeiten da sind. Und einfach meine Schwester mitnehmen und sie mir das zeigt und beigebracht hat. Nur wenn man als Arbeitgeber am Ende das nicht so genau weiß, dann macht das das Leben schon nicht einfacher.“

„Na ja, also zum Anfang hat Hind letztendlich die Nachrichten nicht lesen können, die wir ihr geschickt haben oder die Zettel, die wir ihr geschrieben haben. Und ja, zum Schluss ist dann letztendlich das einfach passiert, was man ihr aufgeschrieben hat. Was natürlich schon ein wahnsinniger Vorteil war.“ Hind hatte Glück mit Sven Quandt und seiner Lebensgefährtin. Die beiden haben sie direkt unterstützt, als sich Hind ihnen öffnete und von ihren Schwierigkeiten erzählte. „Ja, das ist natürlich in dem Alter nicht mehr ganz so einfach, jetzt den Hauptschulabschnitt nachzumachen. Ich finde das toll, denn sie ist ja dann mit vielen Jüngeren zusammen. Das ist mit Sicherheit nicht einfach. Und sie hat sich eigentlich danach noch mehr vorgenommen.“ Die Quandts haben Hind zu Beginn geholfen, den passenden Kurs zu finden, haben mit ihr geübt und sie immer motiviert, am Ball zu bleiben.

Und ihre Fortschritte gefeiert. „Letztes Mal mit Frau Fischer, sie hat ein bisschen Schreibschrift geschrieben. Dann hat sie mich gefragt, ob ich es lesen kann. Ich habe mich hingesetzt, ich konnte es ja lesen. Dann habe ich Applaus von ihr bekommen, eine Umarmung. Ich habe mich wirklich super gefreut.“ „Sie ist eine sehr intelligente Frau und ich glaube auch, dass sie das gut hinkriegt. Ich hoffe und ich wünsche ihr ganz sehr, dass sie den Hauptschulabschluss fertig kriegt. Einfach auch für sich, damit sie mehr Bildung, mehr Grundwissen hat.“ „So Hind, wie viel Zeit haben wir denn jetzt noch?“ „20 Minuten.“ „Und deshalb finde ich es super, dass Sie mich nochmal hinfahren.“ Und immer wieder fuhr Annett Fischer Hind zum Unterricht, wenn die Zeit knapp wurde. Nun wird Hind den Job kündigen, denn künftig muss sie sich ganz auf die Schule konzentrieren.

Denn der Schulabschluss rückt näher. Seit etwas mehr als einem Jahr lernt Hind gemeinsam mit Evelyn Hübler. Evelyn ist Ehrenamtlerin und wurde Hind von der Volkshochschule für den 1 zu 1 Unterricht vermittelt. „Es passte kein Kurs mehr so richtig auf Hinds' Bedarf und ihren Lerneifer. So, jetzt überleg mal, welche Wörter du aus diesen Buchstaben noch bilden könntest. Arbeiten. Genau, super. Kannst du gleich hinlegen. Was ich ihr natürlich wünsche, ist, dass sie ihr Ziel erreicht und den Hauptschulabschluss machen kann. Dass sie einen Abschluss hat und dann einen Beruf ergreifen kann, der ihr Freude macht.“ Heute ist der große Tag. Ein Jahr hat Hind hart dafür gearbeitet. Ihr Ziel immer fest vor Augen. „Heute bin ich hier, um eine Anmeldung zu geben für die Hauptschulabschlussvorbereitung. Ich bin auch sehr, sehr, sehr stolz auf mich. Und manchmal schlage ich auch auf die Schulter, dass ich es geschafft habe, ein paar Schritte vorne zu machen. Und ich bin einfach stolz auf mich in meiner Alter noch. Und als Mutter auch was zu schaffen, das ist sehr, sehr wichtig.“ Hind ist eine von 6,2 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die nicht gut lesen und schreiben können. Das Lernen hat ihr Leben verändert. Neugierig? Infos zu Lern- und Beratungsangeboten finden Sie auf mein-schlüssel-zur-welt.de.

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