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Volltext zur Dokumentation: Hasim aus Berlin - Schule

Hasim kam als kleiner Junge nach Deutschland. Seine Eltern stammen aus der Türkei und waren auf Jobsuche. Regelmäßig zur Schule ging Hasim nicht und lernte weder lesen noch schreiben. Stattdessen aber sein Problem gut zu verstecken. „Ich kann auch mehrere Sprachen und natürlich auch sehr gut Deutsch und die türkische Sprache kann ich sprechen. Ich komme mit so einer Situation super gut klar. Also ein Meister in Vertuschen sozusagen. Und da denkt man auch nicht daran, dass dieser Typ halt Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben hat.“ Wenn Hasim vor einer der vielen Schulen steht, kann er seine Geschichte selbst kaum glauben. Mehrfach im Jahr zog die Familie um. Hasim musste sich fügen, immer wieder die Schule wechseln. Dazu war er sehr groß und dunkel und die anderen Kinder hänselten ihn mit rassistischen Sprüchen.

 „Die schulische Erfahrung ist sehr extrem, also sehr wenig in meinem Leben gewesen. Da wir sehr oft umziehen müssten. Es gab auch diese ganzen Rassisten, sag ich mal. Die ganzen Menschen, die Menschen hassen. Das hat mich auch einerseits sehr gestört. Ich hatte auch als kleines Kind sehr große Angst davor, dass man mich schlägt. Durch solche Sachen wollte ich eigentlich gar nicht zur Schule gehen.“ Früher war es ihm peinlich, das ist vorbei. Er will im Restaurant nicht mehr nur das bestellen, was er kennt oder der Gast am Nebentisch bestellt hat. Hühnersuppe mit irgendwas, Fischsuppe. Hasim möchte unabhängig sein und selbstbestimmt. „Ja, die Schrift anderer Menschen, das ist für mich wie irgendwelche Streifenlinien, die ich gar nicht entziffern kann. Und diese unlösbare Rätsel meines Lebens sind schon total schwierig. Die ganzen Linien, Streifen und Wege und Einbahnstraße.“

Vertuschen und Verleugnen sind vorbei. Hasim geht in die Offensive und bittet jetzt um Hilfe. Das ist oft einfacher, als er dachte. „Hi, guten Tag. Wie kann ich dir helfen?“ „Ich würde gerne etwas bestellen. Aber nur die Buchstaben in Ziffern fällt mir etwas schwer an.“ „In Ordnung, kein Problem. Na klar, ich lese es dir einfach mal vor. Ja, gerne, super. Wir haben bei den Suppen da Hühnersuppe mit Ingwer, eine vegetarische Gemüsesuppe mit Pesto und dann haben wir heute im Angebot Spinatquiche mit gemischtem Salat.“ „Das klingt interessant, würde ich gerne nehmen. Das Letztere? Ja, auf jeden Fall.“ „Alles klar, sehr gerne bringe ich dir.“ „Okay, super, herzlichen Dank.“ „Gerne.“

Eine Berufsausbildung hat Hasim nicht. Ohne Schulabschluss war das aussichtslos. Er arbeitet in der Gastronomie. Das macht er gern, auch wenn es ein anstrengender Knochenjob sei. Mit seiner fröhlichen Art kommt er hier gut durch. Meistens zumindest. „Es gab schon eine Situation im KaDeWe, als wir Catering machen mussten mit der Firma Zadis. Und ja, ich musste halt beim Reingehen - das müssen alle Mitarbeiter machen - meinen Namen, Adresse, E-Mail-Adresse, also meine totale Anschrift, eintragen auf einen Zettel. Und es war halt eine Situation gewesen, in der ich eingefroren war total. Am liebsten wäre ich tief unter die Erde gegangen. Dieses Gefühl ist schon auf Extremste schrecklich. Damit soll Schluss sein.“ Hasim hat sich entschlossen zu lernen. Heute ist seine erste Probestunde. Seine Lehrerin kennt er schon vom Einstufungstest. Er mag sie.

Und das Lerncafé liegt in seinem Stadtteil Berlin-Spandau. „Alles passt. Bloß ich habe einige Kleinigkeiten gesehen, die zu verbessern sind. Der Ball.“ „Sehr gut.“ „Die Bälle.“ „Perfekt. Richtig sehr gut.“ „Ja, ich fühle mich gerade wie ein kleines Junge. Ein tolles Gefühl, wenn ich meine Fehler dank Biljana auch korrigieren kann. Ich habe ja auch Gott sei Dank nicht mehr so viele Fehler, wie ich es erwartet habe. Oder dachte, besser gesagt. Und ja, das macht mir eine große Freude. Und ich habe auch schon so die ganze Zeit über gedacht, wie ich jede Woche hier mit Biljana lerne und auch den anderen Kollegen, Kolleginnen. Ja, ich bin total gespannt. Ich kriege gerade mein Grinsen gar nicht weg. Das macht mich auf jeden Fall glücklich. Schönes Ding, auf jeden Fall.“

Hasim ist einer von 6,2 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die nicht gut lesen und schreiben können. Das Lernen in einem Kurs macht ihm große Freude. Interesse?

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