Bundesministerium für Bildung und Forschung

Bochum

Personen am Infostand
Foto | Roland Weihrauch für BMBF: Die Kampagne "Lesen & Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt" zu Gast in Bochum © 2012

Die Kampagne vor Ort: Am 26.10.2012 machte die multimediale Ausstellung „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ Station in Bochum.

Aktionstag "Lesen & Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt" in der Volkshochschule Bochum

Multimediale Ausstellung der Alphabetisierungskampagne macht in Bochum Halt

Jan Böhmermann schaut sich jede Besucherin und jeden Besucher ganz genau an. Man kann ihn mit dem Finger antippen, auf dem Touchscreen, und dann legt er los: Der populäre Fernsehmoderator führt in kurzen Filmsequenzen durch die multimediale Ausstellung "Lesen & Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt". Er stellt Männer und Frauen in Deutschland und ihre Geschichten vor - Geschichten vom Leben außerhalb der Schriftsprache. Sie erzählen vom Alltag funktionaler Analphabeten, von ihren Tricks und Mühen, mit einem Bewerbungsschreiben, dem Rezept oder der theoretischen Fahrprüfung zurechtzukommen, vom Schritt zum Lesen und Schreiben lernen, vom Glück neuer Perspektiven und von der Anstrengung, sich ein Stück Leben dazuzuerobern. Das kommt an, auch in Bochum, der zweiten Station der bundesweiten Kampagne mit ihrer multimedialen Ausstellung. "Dass sich Menschen aus so einer schwierigen Lage heraustrauen, neu anzufangen, obwohl sie Angst haben, dass jeder schief guckt, davor habe ich großen Respekt", sagt einer der Ausstellungsbesucher.

Lösungsansätze bei der Alphabetisierung

Die im Forum der Volkshochschule Bochum versammelten Gäste wollen, dass niemand mehr schief guckt. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung diskutierten die Bochumer Bürgermeisterin Erika Stahl, der Direktor der Volkshochschule Bochum Thomas Ratenhof, Heike Maschner vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen und Thomas Bartelt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit weiteren Fachexperten und Betroffenen über Lösungsansätze bei der Alphabetisierung Erwachsener. Rund 10.000 Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten besuchten 2011 einen der eigens für sie eingerichteten Volkshochschulkurse in Nordrhein-Westfalen. "Wir wissen, das ist zu wenig. Spätestens die leo.-Studie hat deutlich gemacht, wie viele Menschen in Deutschland das Problem still und heimlich mit sich herumtragen", sagte Thomas Ratenhof. 2011 hatte die vom Bund geförderte Hamburger "leo. – Level- One" Studie ans Licht gebracht, dass bundesweit siebeneinhalb Millionen Menschen keine zusammenhängenden Texte lesen oder schreiben können.

"Bochumer Modell"

Seit einem Jahr macht vor Ort sein "Bochumer Modell" Schule, besuchen immer mehr Teilnehmende die neuen Kurse. "Uns ist im Austausch mit den Lernenden klar geworden, dass wir im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener Angebote brauchen, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Einzelnen zugeschnitten sind", erklärt Ratenhof. An der Volkshochschule Bochum gibt es seither Lese- und Schreibkurse speziell für Berufstätige und ein alltagstaugliches Kursangebot für das Basiswissen, das bei Fachexperten "Grundbildung" heißt und mit dem sich Lernende das Einkaufen, den Umgang mit Behörden und viele andere praktische Dinge des Alltags erleichtern. Neu ist auch der zusätzliche Einsatz ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer in den Kursen. Sie stehen den Lernenden während des Kurses individuell zur Seite. Noch viel mehr solcher Initiativen und Projekte bei der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit in Nordrhein-Westfalen wünscht sich Heike Maschner: "Das schaffen wir nur im Schulterschluss von Bund und Ländern und gemeinsam mit allen Partnern, die sich in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener engagieren."

Neues wagen

Die Kampagne "Lesen & Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt" ziele darauf ab, genau diese Bündnisse zu unterstützen und Betroffenen den Rücken zu stärken, sagte Thomas Bartelt vom Bundesbildungsministerium. "Wenn wir wollen, dass mehr Menschen den Schritt in ein neues Leben wagen, müssen auch wir etwas wagen: Als Experten, als Verwandte, als Partner, als Kollegen. Nur so kann die Hemmschwelle für die Betroffenen sinken, sich Hilfe zu suchen." Annika Petri (Name von der Redaktion geändert) und Georg Weinert (Name von der Redaktion geändert) würden sich darüber freuen. Sie waren heute auch da und sie wissen genau, wovon die Rede ist. Sie sind Lernende. Sie haben den Schlüssel in die Hand genommen. Sie haben sich viel getraut.

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Mittwoch, 25. Mai 2016 04:25